FÜR IMMER 27 -
EIN TRAGISCHER KLUB

„We only said goodbye with words
I died a hundred times
You go back to her
And I go back to black.“


FÜR IMMER 27 – EIN TRAGISCHER KLUB

Am 23. Juli 2011 wurden die bösen Vorahnungen, die über viele Monate hinweg bereits in Klatsch- und Musikpresse kursierten, zur traurigen Realität: Amy Winehouse starb an einer Alkoholvergiftung und wurde damit Teil des zweifelhaft exklusiven Zirkels, der als „Klub 27“ auf traurige Weise berühmt ist.


Hatte sich vor allem die britische Klatschpresse in den vorangegangenen Jahren mit beängstigender Vehemenz den Drogenproblemen der Sängerin gewidmet und ihre Entzugsversuche, Rückfälle und damit einhergehenden Ausfällen mit Blitzlichtgewittern begleitet, löste die Nachricht ihres Todes Schockwellen in der schreibenden Zunft aus. Denn in Verbindung mit den tragischen Todesfällen berühmter Persönlichkeiten wie Brian Jones und Kurt Cobain schien es, als hätte der berüchtigte Fluch, der auf 27-jährigen Musikgrößen zu lasten scheint, wieder einmal traurige Bestätigung erhalten.


In den Jahren nach dem Tod des Nirvana-Frontmannes, der sich unter Heroineinfluss erschossen hatte, fasste die makabre Idee einer Halbwertszeit musikalischer Genies in der Musikpresse und bei den Fans Fuß. Es war Cobains Mutter gewesen, die in einem Interview zum Tod ihres Sohnes festhielt: „Jetzt ist er von uns gegangen und diesem blöden Klub beigetreten. Ich habe ihm gesagt, er soll diesem blöden Klub nicht beitreten.“


Es war ein so fraglos illustrer wie tragischer Kreis, den Cobains Mutter damit andeutete und der in den kommenden Jahren auch Neuropsychologen, Statistiker und Biografen beschäftigen sollte: die Reihe jener großen Musiker, die im Alter von 27 Jahren starben. In den Jahren 1969 bis 1971 waren im Abstand weniger Monate vier der größten Künstler einer ganzen Generation an Drogen, Medikamenten, Alkohol oder einer Mischung daraus verstorben.


Angefangen hatte es mit Rolling-Stones-Gitarrist und -Gründungsmitglied Brian Jones, der am 3. Juli 1969 unter ungeklärten Umständen in einem Swimming Pool ertrunken war. In den darauffolgenden Monaten starben Ausnahmegitarrist Jimi Hendrix, Sängerin Janis Joplin und The-Doors-Frontmann Jim Morrisson ebenfalls, allesamt 27 Jahre alt. Alle vier waren prägende Größen einer nicht nur musikalischen Revolution, die seit Mitte der 1960er Jahre von den Rändern der Gesellschaft bis in deren Mitte vorgedrungen war. Doch ebenso wie die Bewegung der Gegenkultur im Summer of Love gipfelte, bevor sich die Welle in den kommenden Monaten mit Charles Manson, dem Desaster des Altamont Free Concerts und dem Gegenschlag des Establishments brach, erschienen die Tode der vier großen Künstler wie eine traurige Allegorie.


Dass alle im selben Alter gestorben waren, fiel der Öffentlichkeit zunächst noch nicht auf. Erst als im April 1994 bekannt wurde, dass sich mit Kurt Cobain jener Künstler das Leben genommen hatte, den viele als die musikalische Stimme seiner Generation empfunden hatten, entstand der Mythos des „Klub 27“. Von einem Fluch sprachen die einen, von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung die anderen. Statistiker untersuchten, ob es tatsächlich Häufungen von Suizidalität in dieser Altersgruppe gab, während Neuropsychologen Ursachen in der Gehirnchemie oder in psychologischen Grundmustern wie dem Borderline-Syndrom annahmen.


Doch ungeachtet der Frage, ob der Klub 27 mit anderen Mythen des Rock'n'Roll verglichen werden kann, ist sein Einfluss auf das Leben von Amy Winehouse eindeutig. Denn bereits im Dezember 2008 hatte Amy gegenüber ihrem Assistenten Alex Haines die Befürchtung geäußert, ebenfalls Teil des Klub 27 zu werden. Ob es die eigentümliche Art der Legendenbildung war, die zu jener Zeit durch die britische Musik- und Klatschpresse unter dem Zeichen von Sex, Drugs & Rock'n'Roll in Hinblick auf Amy vorangetrieben wurde, oder ob es an der Vorahnung lag, dass ihr das eigene Image zwischen Vamp, Diva und getriebenem Genie allmählich entglitt, ob die Schuld im persönlichen Umfeld der Künstlerin zu suchen war oder ob der Grund eine unmittelbare tragische Verkettung banaler Zufälle war, sei dahingestellt. Allein die Tatsache, dass Amy einem ungeschriebenen Gesetz zu gehorchen schien, das ihrem Leben viel zu früh ein Ende setzte, gleichgültig ob wissenschaftlich erklärbar oder zum Mythos hochstilisiert, ist zutiefst tragisch.


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