Hintergrund

Für die Dokumentation „Senna“ (2010), die die Geschichte des gefeierten Formel-1-Fahrers Ayrton Senna erzählt, erhielten die Filmemacher Asif Kapadia (Regie), James Gay-Rees (Produktion) und Chris King (Schnitt) nicht nur unzählige Preise (darunter zwei BAFTAs), sondern auch eine Menge Beifall der Kritik.


Zwei Jahre nach dem Kinostart von „Senna“ wurde Gay-Rees von David Joseph, dem Vorsitzenden und CEO von Universal Music UK, angesprochen. Er wollte wissen, ob das Team nicht an einer weiteren modernen Ikone interessiert sei, deren Leben unter tragischen Umständen ein Ende gefunden hatte. Es hat mich ungefähr eine Nanosekunde gekostet, um zu antworten: ‚Ja! Das sind wir. Mit absoluter Sicherheit!‛“


„Etwas ist Amy Winehouse zugestoßen“, fügt er an. „Und ich wollte wissen, wie so etwas vor unser aller Augen passieren konnte. Wie kann jemand in unserer modernen Zeit auf diese Art und Weise sterben? Und es war nicht einmal ein Schock; ich hatte fast geahnt, dass genau das passieren würde. Man konnte sehen, dass sie sich diesbezüglich auf einem dunklen Pfad bewegte.“


Noch bevor sie mit dem langwierigen und nervenaufreibenden Interview-Prozess und der schwierigen Aufgabe begannen, neues Footage aufzutreiben, verständigten sich die Filmemacher auf die Idee, die Geschichte mithilfe von Amys Texten zu erzählen, die während des Films auf der Leinwand erscheinen sollten.


„Unser erster Instinkt sagte uns, dass die Songs der Schlüssel sein würden“, erklärt Kapadia. „Sie würden das Rückgrat des Filmes bilden. Wir begannen also damit, uns die Lyrics anzuschauen und dabei festzustellen, dass der erzählerische Faden in den Texten und Songs wie der Plot eines Bollywood-Filmes wirken könnte. Wir beschlossen, die Erzählung um diese Songs herum aufzubauen.“


Kapadia führte die etwa einhundert Interviews, die die Basis für AMY bilden. Er betont, dass die Entstehung des Films davon abhing, das Vertrauen der Leute zu gewinnen. „Das war gänzlich anders, als ich es bei den Arbeiten zu ‚Senna‛ erlebt hatte, weil ich hier so viele unterschiedliche Leute dazu bringen musste, mir zu vertrauen. Das lag alles noch nicht so lange zurück und war sehr schmerzhaft für viele der Leute. Wir stießen auf viele Schuldgefühle und anderes emotionales Gepäck.“


Die Filmemacher verbrachten fast ein Jahr damit, die entscheidenden Personen dazu zu bringen, am Interviewprozess teilzunehmen. „Die Schlüsselpersonen, die ursprünglich nicht involviert werden wollten, waren ihre ältesten Freundinnen Juliette (Ashby) und Lauren (Gilbert), die auch eng mit Amys erstem Manager Nick Shymansky verbunden sind. Schließlich wurde ihnen aber doch klar, dass sie sich einbringen müssen, wenn auch ihre Seite der Geschichte gehört werden sollte“, erklärt Gay-Rees.


„Verständlicherweise hat diese ganze Erfahrung diesen Menschen wahnsinnig viel abverlangt. Es ist nur schwer vorstellbar, wie es sein muss, die engste Freundin aus deiner Kindheit oder Jugend durch die Gefahren von Mega-Berühmtheit und Prominenz manövrieren zu sehen, immer in dem Wissen, dass unter der Oberfläche Probleme warten, die bald zum Vorschein kommen würden.“


Juliette Ashby und Lauren Gilbert waren Amys älteste und engste Freundinnen, auch wenn ihre Beziehung – speziell in der späteren Phase im Leben der Sängerin – ihre Aufs und Abs hatte. „Was aber am wichtigsten ist“, so Gay-Rees „diese beiden können Amy kontextualisieren. Sie war genau wie sie, ein Vorortmädchen aus Nordlondon. Sie war nicht notwendigerweise für den Ruhm geboren; ich denke, dass niemand das ist. Amy war nur dieses jüdische Kind aus Nordlondon, das zu einem Phänomen geworden ist. Und indem wir diese zwei Freundinnen ziemlich konstant im Film präsent halten, erinnern wir immer auch daran, wo sie hergekommen ist. Amy war kein Justin Bieber. Sie war keine Disney-Göre.“


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